Um 9.30 Uhr ging es heute los. Mit Tui, unserem Hmong-Guide und zwei Malaysierinnen, Sharon und Heather, begaben wir uns zu Fuss in Richtung der Reisfelder.

Gleich nach dem Antritt der Tour stellten wir fest, dass uns drei Frauen (ebenfalls zu den Hmong gehörend) auf Schritt und Tritt folgten. Da wir gestern schon Bekanntschaft mit Hmong-Fraun gemacht hatten, waren wir noch etwas skeptisch. Die beiden Malaysierinnen sprachen Englisch und wir konnten uns gut mit ihnen austauschen. Der Weg ging zunächst circa eine halbe Stunde entlang einer Strasse. Danach bogen wir rechts in den Urwald ab.

Die Temperaturen hier in Sa Pa sollten eigentlich vergleichsweise kühl sein. Trotzdem schwitzen nicht nur wir, sondern auch Tui und die Hmong-Frauen enorm. Mit der Zeit kamen wir auch mit den Frauen ins Gespräch. Sie waren sehr aufgestellt und interessiert. Wir bekamen Einblicke in das Leben hier und sie in unseres. Eine der Frauen erzählt uns beispielsweise, dass sie bereits mit 15 Jahren geheiratet hat. Es war erstaunlich, wie leichtfüssig sie sich durch den Urwald bewegten, vor allem in Anbetracht ihrer rutschigen Gummi-Sandalen. Von Zeit zu Zeit wurde uns gar eine Hand zur Hilfestellung gereicht.

Schon zu Beginn der Tour erhaschten wir erste Blicke auf die endlosen Reisterrassen. Die Landschaft ist atemberaubend. Bis hoch hinauf sind viele Hügel ausgebaut, damit überall Reis angepflanzt werden kann. Momentan sind die meisten Reisfelder noch grün, gegen September werden sie goldig und sind dann bereit für die Ernte.

Im Tal kamen wir immer wieder an kleinen Dörfern vorbei. Tui kennt die meisten hier persönlich und hält immer wieder kurz inne, um ein paar Wörter zu wechseln. Die Hmong-Frauen amüsieren sich beinahe über unsere Begeisterung. Die Schweiz kennen sie nur vom Namen her. Wir erfahren, dass praktisch alle modernen Häuser hier lediglich für Touristen sind. Die Einheimischen leben in ganz einfachen Wellblech-Häusern, meistens mit vielen Kindern und Tieren unter einem Dach.

Die Männer arbeiten auf den Feldern oder im Wald. Die Kinder sind in der Schule – sofern sie Lust dazu haben, wie Tui erklärt. Die Frauen passen entweder auf die Kinder auf oder begleiten oftmals auch Trekking-Touren.



Zum Mittagessen gibt es vietnamesisches Essen – «white rice». Vorher werden wir von haufenweise Hmongs, vor allem Kinder, belagert. Sie wollen alle ihre Handwerkskunst an uns verkaufen. Die Klassiker sind Armbänder, Kissen oder gar Taschen. Alle wurden in aufwändiger Handarbeit hergestellt und bringen ein wertvolles Nebeneinkommen ein. Die Kinder sind uns viel zu stürmisch. Mit ein paar älteren Frauen machen wir dann einen Deal für ein Kissen und eine kleine Tasche. Wichtig ist, es gibt immer einen gewissen Handlungsspielraum! Unsere Tischnachbarn haben weniger Glück: Eine Horde Kinder will sie nicht mehr in Ruhe lassen. Alle wollen ihre Armbänder verkaufen. Und eines der Mädchen beginnt gar noch zu weinen.

Die Tour war bis jetzt ganz klar ein Höhepunkt unserer Reise durch den Vietnam. Der ganze Tag ist vollgepackt mit Eindrücken aus dem Bergland. Auch der Kontakt zu den Einheimischen hat uns sehr beeindruckt.
Heute Abend geht es schon wieder weiter: Mit einem Nachtbus machen wir uns auf den Weg vorbei an Hanoi in Richtung der Halong-Bucht.

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